Das erste Mal menstruieren – ein Ritt auf dem „Cotton Pony“

so erlebte Annemarie von www.erdbeerwoche.com den Tag an dem sie das erste Mal menstruierte:

Rot wie Blut?

Eigentlich wollte ich schon immer erwachsen und eine Frau sein – und das mit allen Problemen, die Mädchen in den Frauenzeitschriften wie Cosmo, Brigitte & Co. suggeriert werden: Finde den richtigen BH, wie du Jungs um den Finger wickelst, oder ob du lieber Tampons oder Binden benutzen solltest. Und: Mein 12-jähriges ICH war ein absoluter Frauenzeitschriften-Junkie. Die Young Miss war dabei mein Lieblingsmagazin und hat in regelmäßigen Abständen natürlich auch über Regelbeschwerden berichtet. Ich wartete also quasi jeden Tag sehnsüchtig darauf, endlich das erhoffte Blut in der Unterhose zu finden, um endlich einen weiteren Schritt in Richtung des ersehnten Status als Frau zu gelangen. Im November 1996 war es dann endlich soweit: Noch etwas verträumt ging ich in der Früh aufs Klo und sah da etwas in meiner Unterhose, das eher aussah wie ein dunkler Johannsisbeersirup-Fleck, anstatt flüssigem Blut, wie es einem in den Tampon- und Binden-Werbungen mit der blauen Flüssigkeit eingeredet wird. Bewaffnet mit Klopapier stürmte ich also in die Küche, wo mir meine Mutter gerade das Pausenbrot schmierte. Ich hielt ihr halbpanisch das Stückchen Papier mit Blut unter die Nase. Darauf folgte ein Ritt auf dem „Cotton Pony“ – der glaube ich größten Binde, die ich je in meinem Leben verwendet habe. Glücklich und gleichzeitig verunsichert, ob irgendjemand in der Klasse die Binde durch die Hose durchsieht, ging ich also in die Schule!

Von Ponys und Blumenwiesen

Nicht nur in den 90er Jahren – sondern bis heute sind Werbungen zu Tampons und Binden fern von jeglicher Realität. Die blaue Flüssigkeit hat sich lange in den TV-Kampagnen gehalten und stellt nicht nur Frauen, sondern auch Männer vor große Fragezeichen. Dass frau mit gewissen Produkten alles machen kann und immer zu 100 Prozent funktionieren muss, entspricht jedoch einfach nicht der Wahrheit.

Die erdbeerwoche wird geboren

Obwohl ich quasi in einer Realität gewordenen Reformhaus-Filiale aufgewachsen bin und eines meiner typischen Kinder-Lieblingsessen nicht Schnitzel (Veggi bin ich auch seit ich 10 bin) sondern Quinoa auf Bio-Ketchup gewesen ist, waren nachhaltige Frauenhygiene-Produkte damals nicht bekannt. Als bis zu diesem Zeitpunkt erfahrene und ausgebildete „Ökotussi“ war es dann mit Mitte 20 eine leichte Entscheidung, auch andere Frauen über die nachhaltigen Alternativen im Frauenhygiene-Bereich aufzuklären. Die erdbeerwoche war geboren! Eine Aussage, die mir dabei immer wieder begegnet: „Na, wenn du sogar solche Produkte wie eine Menstruationstasse bzw. Menstruationskappe benutzt, dann kann das ja nicht so schlimm und abnormal sein“. Ja, ist es nicht und ich liebe meine Arbeit und meine erdbeerwoche!

Annemarie von www.erdbeerwoche.com
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Foto © erdbeerwoche.com

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